Epilepsie bei Katzen

Ein klassischer epileptischer Anfall besteht aus drei Phasen: Der Vorbereitungsphase, in der Katzen eine Wesensveränderung zeigen, sie werden unruhig, verkriechen sich oder suchen manchmal intensiven Kontakt zum Katzenhalter. Oft fallen die Symptome aber nur genau beobachtenden Besitzern auf. In der eigentlichen Anfallsphase, die ein bis zwei Minuten dauern kann, stürzt das Tier, verliert manchmal das Bewusstsein. Wir beobachten Krämpfe der Muskulatur, Laufbewegungen im Liegen, schnelle Kaubewegungen mit Speichelfluss, manchmal Harn- und Kotverlust. In der Nachphase ist das Tier müde, stolpert beim Gehen, torkelt und legt sich immer wieder hin. Manche Tiere sind sogar vorübergehend taub oder blind, bis nach einiger Zeit ( Minuten bis Stunden) das Gehirn wieder funktioniert. Bei einer neuen Epilepsieform zeigt sich ein anderes Bild: Die Katzen bleiben plötzlich stehen, starren mit weit offenen Pupillen ins Leere, verbunden mit Lippen-, Gesichtsmuskelzuckungen und Speichelfluss. Das Verhalten normalisiert sich sehr rasch, wiederholt sich aber in kürzer werdenden Abständen immer wieder. Zwischen den Anfällen werden diese Tiere zunehmend aggressiver. Die bisher angenommenen Ursachen für Epilepsie liegen in einer übermäßigen, synchronen Entladung vieler Nervenzellen in bestimmten Gehirngebieten. Daneben wurde jetzt eine Autoimmunabwehr gegen körpereigene Eiweißstoffe, die vermehrt in einer besonderen Gehirnregion (Hippocampus) vorkommen, entdeckt. Dies führt zu einer begrenzten Gehirnentzündung (fokalen limbischen Enzephalitis) mit gestörter Reizleitung (Neurotransmission) und schließlich zu Veränderung und Zerstörung von Gehirngewebe, was ebenfalls Epilepsie auslösen kann. Nur eine frühzeitige Immuntherapie könnte diese schwere Epilepsieform bekämpfen. In den leichteren Fällen führen antiepileptische Medikamente zu guten Therapieerfolgen.

Eine Impfung gegen Katzenallergie


Brennende Augen und Dauerniesen bei Katzenallergikern sollen ein Ende haben. Therapiert wird jedoch nicht der betroffene Mensch, sondern die Katze! Eine neu entwickelte Impfung neutralisiert das Allergen dort, wo es entsteht – im Tier.

Nach den vielversprechenden Therapieansätzen gegen den Juckreiz bei atopischen Hunden und das Sommerekzem beim Pferd hat die Forschergruppe um den Schweizer Immunologen und Human­mediziner Martin Bachmann ein neues Target im Visier: die Katzenallergie beim Menschen.

Neuer Therapieansatz gegen die Katzenallergie

Tränende, brennende Augen, Niesen, Schwellungen, Juckreiz oder auch Atemnot: Menschen, die allergisch auf Katzen reagieren, können ein Lied davon singen. Zwar kann die Stärke der klinischen Sym­ptome je nach Katze unterschiedlich ausfallen, dennoch sind sie zum Teil unerträglich, unter Umständen sogar lebensbedrohlich. Betroffene Patienten versuchen in der Regel, die Allergiesym­ptome mit Antihistaminika oder Kortiko­steroiden zu behandeln oder vermeiden schlichtweg den Kontakt zu Katzen. Andere versuchen es auf lange Sicht mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Diese ist allerdings langwierig (mind. 2–3 Jahre) und führt nicht hundertprozentig zum Erfolg. Eine auf Dauer effektive und sichere Therapie gibt es derzeit nicht, von der Aussicht auf Heilung ganz zu schweigen. Häufig endet es damit, dass sich die Betroffenen vom geliebten Vierbeiner trennen müssen oder dass der Wunsch, ein Haustier zu halten, von vornherein unerfüllt bleiben muss.

Impfstoff gegen den Übeltäter
Schuld daran ist in erster Linie, wenn auch nicht allein, das Allergen Fel d 1. Neunzig Prozent der Menschen mit Katzenallergie entwickeln IgE-Antikörper gegen dieses Allergen. Dieses wird in Speichel, Tränen­flüssigkeit, Analdrüsen oder auch der Haut von Katzen produziert und ist daher auch nur schwer zu kontrollieren. Und genau hier setzt die Idee der Forscher an. Das Prinzip ist das gleiche wie schon in den oben erwähnten Studien an Hund und Pferd. Aus dem rekombinanten Allergen und dem Trägervirus CMVTT, das für eine gute Immunantwort sorgt und sich bereits in den beiden früheren Studien bewährt hat, wird ein Impfstoff hergestellt, mit dessen Hilfe der Geimpfte Antikörper gegen das Allergen produzieren soll. Das Ungewöhnliche diesmal: Nicht der betroffene Mensch, der die Symptome hat, wird behandelt, sondern die verursachende Katze! Auf diese Weise soll das Allergen bereits in der Katze neutralisiert werden und es kommt gar nicht erst zur Exposition. Der allergische Effekt für den Menschen wird so verhindert oder zumindest vermindert.


Laut Studie haben die Katzen den Impfstoff gut vertragen und mit einem hohen und lang anhaltenden Antikörpertiter reagiert. Sowohl in vitro als auch in vivo konnte gezeigt werden, dass sich die Antikörper mit dem Allergen Fel d 1 verbinden und dieses erfolgreich neutralisieren.

Katzenkuscheln auch für Allergiker
Menschen mit Katzenallergie – so sieht es aus – könnte also geholfen werden, indem nicht sie selbst behandelt werden, sondern indem man ihre Katzen gegen das Hauptantigen Fel d 1 impft. Auch die Katzen würden davon profitieren, da sie im Zweifelsfall nicht weggegeben werden müssen. Entwickelt wird der neue Impfstoff von HypoPet, einem Spin-off-Unternehmen der Universität Zürich unter Leitung von Martin Bachmann. ( Gerda Bäumer)

Originalpublikation: Thoms F, Jennings GT, Maudrich M, Vogel M, Haas S, Zeltins A, Hofmann-Lehmann R, Riond B, Grossmann J, Hunziker P, Fettelschoss-Gabriel A, Senti G, Kündig TM, Bachmann MF (2019): Immunization of cats to induce neutralizing antibodies against Fel d 1, the major feline allergen in human subjects. J Allergy Clin Immunol 144: 193–203.
DOI 10.1016/j.jaci.2019.01.050.

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